«Im direkten Kontakt mit den Menschen»: Daria Hänni spricht über ihr Praktikum

Daria Hänni (Foto: Daria Hänni)
Daria Hänni absolvierte im Rahmen ihres Sozialpädagogik-Studiums ein Praktikum in unserer Kirchgemeinde. Im Interview erzählt die 21-Jährige, welche Erfahrungen sie während dem Praktikum sammeln konnte, wo sie Unterschiede zu ihrer Kirchgemeinde in Berg TG sieht und was sie an der Diakonie begeistert.
Diego Müggler
Welche drei Worte beschreiben dich am besten?
Lebensfreude! (Zögert) Sonst fällt mir nichts mehr ein, am ehesten das Soziale.
Wieso kommt dir Lebensfreude direkt in den Sinn?
Wir hatten es dieses Wochenende im Freundeskreis von einem einzigen Wort, das uns beschreibt. Nach langem Denken bin ich auf dieses gekommen (lacht).
Mit diesem Wort kannst du dich anfreunden?
Ja, ich habe generell viel Freude am Leben und geniesse gerne den einzelnen Moment. Aber auch in Situationen, die herausfordernd oder belastend sind, finde ich oft etwas, an dem ich mich freuen kann.

Was macht dir am meisten Freude im Leben?
Zeit mit Menschen zu verbringen, am liebsten draussen.
War dies ein Grund, dass du dein Praktikum hier absolviert hast?
Jain. Das Praktikum war eher Büro-lastig. Aber für meine Studienwahl hat es sicher eine grosse Rolle gespielt. Für mich war seit klein auf klar, dass ich eine Arbeit verrichten will, bei welcher der Mensch im Zentrum steht. Als Kind waren es die Berufe Lehrerin und Krankenschwester – weil ich das gekannt habe. Als ich anfangs Sek dann erste Einblicke in den Sozialbereich erhielt, kam ich nachhause und sagte «Mama, ich werde Sozialpädagogin».
Das ist geblieben?
Ja. Das Einzige, das ich mir noch angeschaut habe, war direkt eine Ausbildung in der Sozialdiakonie. Dies hat sich dann aber erübrigt, als ich keine Lehrstelle fand und die Matura absolvierte. Damit kann ich Sozialpädagogik an der Fachhochschule studieren. Der Plan ist aber immer noch, nach dem Bachelor ans TDS Aarau (Höhere Fachschule Theologie, Diakonie, Soziales).
Nun absolvierst du ein habjähriges Praktikum für das Studium bei der Kirchgemeinde Tablat. Wie ist es dazu gekommen?
Am sogenannten «Markt der Möglichkeiten» präsentieren sich einmal im Jahr potentielle Arbeitgebende und Praktikumsbetriebe den Studierenden. Da mich Sozialdiakonie sehr interessiert, bin ich schnell am Stand der Reformierten Kirche ins Gespräch gekommen.
Dass ich nun bei der Kirchgemeinde Tablat das Praktikum absolviere, liegt vor allem daran, dass hier die Kapazitäten vorhanden und die Rahmenbedingungen für das FH-Praktikum erfüllt sind.
Die Sozialdiakonie hat dich für dieses Praktikum motiviert?
Ich will später Mal in der Sozialdiakonie arbeiten und so kann ich das Praktikum des Studiums nutzen, um einen direkten Einblick zu erhalten. Auch der städtische Kontext hier finde ich sehr spannend, da ich privat vor allem mit ländlichen Kirchgemeinden vertraut bin.
Was für einen Bezug zur Kirche hast du?
Ich bin selbst aktives Kirchenmitglied und pflege einen aktiven Glauben. Ich bin in einer sehr lebendigen Kirchgemeinde zuhause. Für mich ist es ein grosses Miteinander und so sind viele meiner Freundschaften dort entstanden.
Was waren deine ersten Eindrücke hier beim Praktikum?
Die ganze Organisation ist viel grösser, als ich das aus ländlicheren Kirchengemeinden wie meiner kenne. Es gibt viele Stellen, die sich vollständig einzelnen Bereichen widmen können.
Was widmet ihr euch bei der Sozialdiakonie?
Wir im Tablat haben zwei eigene soziale Projekte. Das eine ist der «Warenkorb», eine Lebensmittelabgabe in Zusammenarbeit mit der Schweizer Tafel. Das andere ist das Projekt «Koala», ein Babykleider-Laden, bei dem Bedürftige kostenlos Ausrüstung für ihre Kleinsten beziehen können.
Und wie sah dein Praktikums-Alltag aus?
Zum einen war ich oft mit den erwähnten Projekten beschäftigt. Das Projekt «Koala» durfte ich als Praktikantin sogar während dieser Zeit leiten. Zusätzlich half ich auch bei Projekten und Angeboten für Kinder und Jugendliche mit. Konkret waren dies Dinge wie die Krabbelgruppe mit den Babies, der Kaffee-Treff mit den Eltern, Begleitung von Jugendlagern oder Unterstützung bei kleineren Projekten. Auch beim wöchentlichen Quartier-Zmittag habe ich oft in der Koordination und Umsetzung unterstützt.
Was nimmst du aus diesem Praktikum mit?
Das Wissen über die städtischen Strukturen und die verschiedenen Fachstellen. Von vielen Fachstellen habe ich zuvor kaum gehört, geschweige denn gewusst, was deren Aufgabe ist. Gleichzeitig konnte ich die Sozialdiakonie in diesem Kontext erleben. Denn der Arbeitsalltag hier ist ganz ein anderer als der Arbeitsalltag von Sozialdiakon:innen in kleineren Kirchgemeinden.
Was war das Coolste im Praktikum?
Der Familien-Zmittag. Ein Angebot, das sich nicht bloss an die Kinder oder Jugendliche richtet, sondern bei dem die ganze Familie miteingebunden wird. Dann sah ich die Kinder am Vorabend bei der Jugendgruppe und am Tag darauf ass man gemeinsam mit ihnen und ihren Familien Zmittag. Das fand ich sehr cool und inspirierend.
Wo hattest du Schwierigkeiten?
Das Büro-Lastige. Ich wusste ja, dass in der Diakonie einiges im Büro stattfindet; vorbereiten, nachbereiten. Aber trotzdem macht es mir deutlich mehr Spass, wenn ich direkt im Kontakt mit den Menschen sein kann. Diesbezüglich empfand ich das städtische Setting teilweise auch als Herausforderung. Denn es ist deutlich anonymer als in ländlichen Gebieten.
All in all; Würdest du das Praktikum nochmals machen?
Ja, definitiv!
Was bedeutet Kirche für dich?
Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft mit anderen Christen, die alle in eine ähnliche Richtung unterwegs sind. Für mich spielen die Gottesdienste eine wichtige Rolle dabei, aber nicht als Dienst von uns an Gott, sondern dass Gott uns damit dienen will und uns einen Ort der Ruhe und der Gemeinschaft schenken will. Dort findet man Leute, die einen unterstützen und für einen einstehen.
Wo siehst du die Kirche in 5 Jahren?
Ich hoffe auf eine lebendige und immer noch relevante Landeskirche, bei der die Diakonie eine wichtige Rolle spielt. Denn Diakonie ist für mich Nächstenliebe und das ist etwas vom Zentralsten, wie die Kirche für die Leute hier sein kann. So können wir die Liebe Gottes den anderen Menschen weitergeben.
Spielt Diakonie die zentrale Rolle für die Zukunft der Kirche?
Ja! Nur mit dem Sonntagmorgen erreicht man die Leute nicht mehr gleich. Die Kirche muss sich fragen, wo sind die aktuellen Nöte und Sorgen der Leute und was kann sie dort tun.
Was willst du anderen Jungen Erwachsenen in der Kirche mitgeben?
Getraut euch! Wenn ihr etwas verändern wollt, reisst dies an. In meiner Erfahrung sind die Kirchgemeinden sehr offen für Inputs von jungen Menschen und sie bieten sehr viele Möglichkeiten und Ressourcen, um Ideen umzusetzen.